von Tony Payne
Elisabeth Wörndls Arbeit "Körper – Räume" fordert den Betrachter auf, Beziehungen zwischen vielen verschiedenen Begriffen herzustellen, wie etwa zwischen der Stadt und dem Körper, der Oberflächenform und der ihr zugrundeliegenden Funktion und zwischen dem Virtuellen und dem Realen.
Übergelagerte Bilder der Stadt und des Körpers lassen ganz unmittelbar an eine oberflächliche Ähnlichkeit der Funktionen denken. An etwas zwischen dem Zirkulationssystem von Adern und Venen und jenem der Straßen und Autobahnen. Wie oberflächlich und wie bedeutungsvoll ist diese Ähnlichkeit? Wir sind alle vertraut mit den weitverzweigten Schemen auf den Straßenplänen von Städten und ländlichen Gebieten, doch welche Prozesse liegen der Entstehung solcher Schemen zugrunde? Haben diese Prozesse etwas mit denen gemeinsam, die die Entwicklung dieser anderen Verkehrsnetzwerke bestimmen?
Eine zweite Gruppe von Fragen, die in diesem Werk aufgeworfen werden, liegen zwischen der Entwicklung von Abläufen in der Natur und als Folge geplanten Eingreifens durch den Menschen. Bis zu welchem Grad stehen die Prozesse des Zufalls und der Vererbung von vergangenen Generationen im Gegensatz zur übernommenen Logik der industriellen Gesellschaft?
Die Suche für die Ursache von Gesetzmäßigkeiten in unserer Umwelt und das Festmachen von Prozessen, die sie hervorrufen, sind traditionell das Anliegen der Kunst bzw. der Wissenschaft der Geographie. Geographen suchen grundsätzliche Ähnlichkeiten in der Weise, wie künstliche, von Menschenhand geschaffene, und natürliche Umgebungen aufgebaut sind.
Die Schlüsselfrage ist, ob räumliche Schemen durch irgendeinen allgemeinen, regierenden Prozeß an eine bestimmte Stelle gezwungen werden oder ob sie als Folge von geringfügigen, lokalen Interaktionen entstehen.
Diese Ideen machen viele Anleihen aus dem Bereich der Biologie und der Ökologie und betrachten die Umgebung als ein sich in Entwicklung befindendes System. Verbunden mit ihnen ist auch eine gewisse Vorstellung von einem Lebenszyklus. Vielleicht evoziert Wörndls Werk auch diese Vorstellung und stellt die wahrgenommene Unsterblichkeit der Stadt in Frage. Hat auch die Stadt einen Lebenszyklus? Wo, auf der Schwelle zum neuen Jahrtausend, befinden wir uns in diesem Lebenszyklus? Werden die Städte, die im Laufe des letzten Jahrtausends unsere Gesellschaft geprägt haben, noch im nächsten eine Rolle spielen? Dieses Werk stellt den höchst persönlichen Bereich des Körperraumes der unpersönlichen Stadt gegenüber. Der Körper wird in diesen Bildern auf der Grundlage des gescannten Körpers in äußerster wissenschaftlicher Abstraktion dargestellt: mit einer Präzision und geometrischen Details, aber gleichzeitig völlig leblos. Man gewinnt dennoch den Eindruck einer Intimität. Es gibt ebenfalls einen faszinierenden Kontrast in der abstrakten Darstellung des Körperraumes, der auf Wolken gebettet schwebt, so wie in den Bildern der freigesetzten Seele. Es bleibt eine vergängliche Qualität trotz unseres Bewußtseins, daß dieses Bild lediglich die volumetrische Darstellung des Selbst ist. In diesem Sinne stellt die Künstlerin unsere Selbstwahrnehmung in Frage: welche Elemente des Selbst sind virtuell und welche real?